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Moral aus Interesse by Michael Grundherr download in pdf, ePub, iPad

Jede moralphilosophische Begriindung einer Moral, die wir nicht teilen, zeigt, daB Zweifel moglich und jedenfalls nicht von vornherein abwegig sind. Denn jede Moralphilosophie, die inhaltlich zu moralischen Fragen Stellung nimmt, also nicht auf der Ebene der Metaethik verbleibt, rechtfertigt letztlich eine Praxis bzw. Sie ist eine Ethik der Ausgrenzung und der Spaltung, eine Gebrauchsethik zur Durchsetzung biomedizinischer Forschungsinteressen. Darum liegt kein Widerspruch darin, eine bestimmte vorgeschlagene Handlungsweise abzulehnen und dabei zugleich die Moglichkeit einer offentlichen Diskussion dieses Vorschlags zu begriiBen.

Jede moralphilosophische Begriindung einer Moral die

SchlieBlich kann auch Miiller, wenn er mit seinen Thesen recht hat, nichts anderes tun als fur seine Auffassung werben und an den Leser appellieren, sich ihm anzuschlieBen. Wenn er sich entscheidet, etwas zu tun, ist er dafiir so wenig verantwortlich wie fur das Ergebnis einer mathematischen Aufgabe, die er zu losen unternimmt. Without these cookies, we won't know if you have any performance-related issues that we may be able to address. Wir miissen erst einen gemeinsamen Standpunkt im Hinblick auf die sich stellenden ethischen Probleme finden, und dies konnen wir nur durch eine offentliche Diskussion.

Denn jede Moralphilosophie die

Denn eine Lehre, die dem Frieden zuwiderlauft, kann ebensowenig wahr sein, wie Frieden und Eintracht gegen das Naturgesetz sein konnen. Der Grundkonsens, die Selbstverstandlichkeit des Ethos als eines sicheren Fundaments des Handelns ist damit auch fiir uns briichig geworden. Nun ist die Kritik, die von Krebs-Riib, Emmrich und anderen vorgetragen wird, sicher nicht ganz unberechtigt. Kurt Bayertz hat hierfur den Begriff der Metaverantwortung gepragt. Fur Fuchs ist Bioethik nichts weiter als eine Hilfswissenschaft zur Pseudo- Legitimierung rein wirtschaftlicher Interessen.

Stehe man jedoch auf der Seite der etablierten Moral, die durch die Diskussion in Frage gestellt zu werden droht, sei es legitim und verniinftig, die Diskussion zu verhindern. Auch die Begriffe der Menschenwiirde oder der Heiligkeit des Lebens dienen ja einer solchen Rechtfertigung. Auch unternimmt Fuchs keinen Versuch, die Argumentationsweisen des Gegners zu erschiittern da diese von vornherein nicht ernst genommen werden.

Wer einen demokratischen Staat will, muB wohl oder libel auch bereit sein, die offentliche Diskussion von Meinungen und den Austausch von Argumenten zuzulassen, die er fur gefahrlich halt. Denn dies fiihrt dazu, daB jeder, der sich von dieser Begriindung iiberzeugen laBt, von der Verantwortung einer eigenen moralischen Entscheidung befreit ist. Die Bioethik dient im Rahmen von Kosten-Nutzen-Kalkulationen einer fragwiirdigen Ressourcensteuerung im Gesundheitswesen und liefert die ethische Absicherung fiir expandierende Wirtschaftsinteressen. Darum sei sehr wohl zu befiirchten, daB die Euthanasievorschlage Singers und anderer Bioethiker bereitwillig aufgegriffen wiirden. Die Bioethiker erscheinen dann als Agenten in einem gigantischen Betrugsmanover, ausgeheckt von machtigen Konzernen und Interessenverbanden, um die Offentlichkeit zu tauschen.

Wir hatten also gewiB alien Grund, unser moglichstes zu tun, um zu verhindern, daB die entsprechenden Haltungen sich durchsetzen. Es kann folglich einem Moralphilosophen schwerlich zur Last gelegt werden, daB er eine bestimmte Praxis zu legitimieren sucht. Erstens tut Miiller so, als gehe es hier um die Erorterung von Fragen, die wir fur uns als Gesellschaft schon langst entschieden haben, die fur uns also gar keine Fragen mehr sind. Es ware anmaBend und sogar in hochstem Grade unverantwortlich, sich einfach darauf zu verlassen, alles schon zu wissen und bedacht zu haben.

Ob einem solchen Bemiihen je Erfolg beschieden sein wird, ist allerdings auBerst fraglich. Konzepte wie Menschenwiirde, Heiligkeit des Lebens etc. Und obwohl, was eine Lehre anlangt, nichts beriicksichtigt werden sollte als die Wahrheit, so lauft das doch ihrer Steuerung im Interesse des Friedens nicht zuwider.